Konzepte
Facility Management: Geschäftsfeldentwicklung » Grundlagen » Konzepte
Konzepte als Bindeglied zwischen Marktstrategie und operativer Leistung
Geschäftsfeldentwicklung im Facility Management braucht mehr als Marktanalysen, Ideen und strategische Zielsetzungen. Bevor ein neues Leistungsfeld aufgebaut, eine bestehende Leistung verändert oder ein Geschäftsmodell skaliert werden kann, müssen wesentliche Entscheidungen zusammengeführt werden. Genau diese Aufgabe übernehmen Konzepte.
- Absichten
- Elemente
- Geschäftsfeldkonzept
- Markt
- Nutzenversprechen
- Grenzen
- Individualprojekt
- Betriebsmodell
Konzepte übersetzen strategische Absichten in ein nachvollziehbares Sollmodell:
Welche Kunden und Märkte sollen adressiert werden?
Welches Problem wird für diese Kunden gelöst?
Welche Leistungen werden angeboten?
Welche Leistungen werden selbst erbracht und welche zugekauft?
Welche Kompetenzen und Ressourcen werden benötigt?
Wie erfolgt die operative Leistungserbringung?
Über welche Prozesse und Systeme wird gesteuert?
Wie werden Qualität, Servicelevel und Kundenerlebnis gemessen?
Welche wirtschaftlichen Ergebnisse müssen erreicht werden?
Wie kann das Modell auf weitere Kunden oder Standorte übertragen werden?
Ein gutes Konzept trifft die notwendigen Entscheidungen:
Ausgangslage: Wie wird heute gearbeitet? Welche Leistungen, Kunden, Ressourcen, Verträge und Systeme bestehen bereits?
Zielbild: Wie soll das Geschäftsfeld künftig funktionieren?
Varianten: Welche unterschiedlichen Lösungswege bestehen?
Entscheidung: Welche Variante wird aus welchen Gründen verfolgt?
Umsetzung: Welche Maßnahmen, Ressourcen, Budgets und Termine werden benötigt?
Wirksamkeitskontrolle: Woran wird erkannt, ob die Entscheidung funktioniert?
Geschäftsfeldkonzept vor Einzelmaßnahmen
Gerade bei der Entwicklung neuer FM-Leistungen besteht die Gefahr, früh mit Einzelmaßnahmen zu beginnen. Eine neue Software wird beschafft. Ein Vertriebsflyer wird erstellt. Eine zusätzliche Stelle wird besetzt. Ein Kooperationspartner wird gesucht. Ein Pilotprojekt beginnt. Solche Maßnahmen können sinnvoll sein. Ohne gemeinsames Zielbild können sie jedoch in unterschiedliche Richtungen laufen.
Deshalb sollte zunächst die Logik des Geschäftsfeldes geklärt werden: Zielmarkt → Kundenproblem → Nutzenversprechen → Leistungsmodell → Betriebsmodell → Ressourcen → Vertrieb → Erlösmodell → Steuerung. Erst wenn diese Kette plausibel ist, lassen sich Einzelmaßnahmen sinnvoll priorisieren.
Vom Markt zum Leistungsmodell
Ausgangspunkt der Konzeptentwicklung sollte ein konkreter Markt- oder Kundenbedarf sein. Im Facility Management können beispielsweise neue Anforderungen an Energieeffizienz, Betreiberorganisation, Datenqualität, Nachhaltigkeit, Arbeitsplatzgestaltung, Digitalisierung oder Betriebssicherheit Geschäftsmöglichkeiten eröffnen. Die bloße Existenz eines Trends reicht jedoch nicht aus.
Ein Konzept muss herausarbeiten:
welche Kundengruppen tatsächlich betroffen sind,
wie groß und dringlich ihr Problem ist,
welche Lösungen bereits angeboten werden,
welche Zahlungsbereitschaft besteht,
welche Wettbewerber vorhanden sind,
wodurch sich das eigene Angebot unterscheidet und
ob das Geschäftsfeld langfristig attraktiv erscheint.
Nutzenversprechen eindeutig formulieren
Ein Geschäftsfeld braucht ein verständliches Nutzenversprechen. Dieses sollte nicht primär die eigene Leistung beschreiben, sondern die Wirkung für den Kunden. Statt: „Wir bieten digitales Energiemanagement.“ ist beispielsweise die entscheidende Frage: „Welche wirtschaftliche, betriebliche oder regulatorische Verbesserung erhält der Kunde durch diese Leistung?“
Je klarer der Nutzen ist, desto leichter können Leistungsbild, Preis, Vertrieb und spätere Erfolgskennzahlen daraus entwickelt werden.
Mögliche Nutzenkategorien im Facility Management sind:
geringere Betriebskosten,
höhere Anlagenverfügbarkeit,
reduzierte Risiken,
bessere Compliance,
höhere Nutzerzufriedenheit,
weniger Ressourcenverbrauch,
bessere Datenqualität,
höhere Transparenz,
geringerer interner Steuerungsaufwand oder
bessere Planbarkeit von Investitionen.
Leistungsportfolio bewusst begrenzen
Eine häufige Schwäche bei neuen Geschäftsfeldern liegt in einem zu breiten Leistungsversprechen. Der Wunsch, möglichst viele Kundenanforderungen bedienen zu können, führt schnell zu einem Portfolio, das operativ schwer beherrschbar ist.
Ein Konzept sollte deshalb bewusst definieren: Was gehört zum Geschäftsfeld?
Ebenso wichtig ist: Was gehört ausdrücklich nicht dazu?
Diese Abgrenzung schafft Klarheit für Kunden, Vertrieb und operative Organisation.
Ein neues Geschäftsfeld kann beispielsweise aus einem standardisierten Basismodul und mehreren optionalen Erweiterungen bestehen. Dadurch bleibt die Leistung verständlich und kalkulierbar, ohne auf notwendige kundenspezifische Anpassungen zu verzichten.
Marktprodukt und Individualprojekt unterscheiden
Facility Management ist traditionell stark kunden- und objektspezifisch geprägt. Für Geschäftsfeldentwicklung entsteht daraus ein Spannungsfeld. Wird jede neue Leistung vollständig individuell entwickelt, entstehen hohe Vertriebs-, Konzeptions- und Implementierungskosten. Gleichzeitig ist eine vollständige Standardisierung bei komplexen Immobilien häufig nicht realistisch. Ein leistungsfähiges Konzept sucht deshalb nach einem sinnvollen Mittelweg.
Individuell bleiben Elemente, wo Gebäude, Nutzung, Risikoprofil oder Kundenorganisation dies tatsächlich erfordern. So entsteht ein Angebot, das gleichzeitig kundengerecht und skalierbar ist.
Das Betriebsmodell entscheidet über die Lieferfähigkeit
Ein attraktives Leistungsangebot besitzt nur dann wirtschaftlichen Wert, wenn es zuverlässig erbracht werden kann. Deshalb muss bereits während der Geschäftsfeldentwicklung geklärt werden, wie das zukünftige Betriebsmodell aussehen soll.
Das Betriebsmodell ist kein nachgelagerter Organisationsschritt. Es ist ein wesentlicher Bestandteil des Geschäftsmodells.
Zu entscheiden sind beispielsweise:
zentrale oder dezentrale Leistungserbringung,
Eigenleistung oder Fremdleistung,
regionale oder überregionale Organisation,
notwendige Betriebs- und Servicezeiten,
Führungsstruktur,
erforderliche Fachkompetenzen,
technische und digitale Systeme,
Service-Desk-Strukturen,
Eskalationswege und
Qualitätskontrolle.
