Gesamtmarkt und tatsächlich adressierbaren Markt konsequent voneinander unterscheiden
Große Marktvolumina wirken attraktiv, sagen aber wenig darüber aus, welcher Anteil für einen konkreten FM-Anbieter tatsächlich erreichbar ist. Eine Marktpotenzialanalyse unterscheidet deshalb zwischen dem gesamten theoretischen Markt, dem mit dem eigenen Leistungsportfolio grundsätzlich adressierbaren Segment und dem realistisch gewinnbaren Anteil. Im internationalen Sprachgebrauch werden dafür häufig Total Addressable Market, Serviceable Available Market und Serviceable Obtainable Market verwendet. Für Facility Management müssen diese Größen zusätzlich nach Region, Nutzungsart, Leistungsumfang, Kundengröße und Vergabemodell differenziert werden.
Marktpotenzial mit TAM, SAM und SOM
Leistung, Geografie und Kundensegment als gemeinsame Bezugsgröße verwenden
Ein Anbieter technischer Facility Services kann nicht automatisch das gesamte deutsche FM-Marktvolumen als potenziellen Markt betrachten. Entscheidend ist beispielsweise, ob Industrie, Büro, Logistik oder öffentliche Gebäude adressiert werden, welche Gewerke angeboten werden und in welchen Regionen tatsächlich Personal und Nachunternehmer verfügbar sind. Auch Mindestvertragsgrößen und Anforderungen an Zertifizierungen können den adressierbaren Markt reduzieren. Eine belastbare Potenzialanalyse arbeitet deshalb mit klar definierten Marktgrenzen statt mit möglichst großen und werbewirksamen Gesamtzahlen.
|
| TAM | theoretischer Gesamtmarkt | gesamte relevante Servicekategorie |
| SAM | grundsätzlich bedienbarer Markt | passende Regionen und Kundentypen |
| SOM | realistisch gewinnbarer Markt | erreichbare Zielkunden |
| Pipeline | konkrete Chancen | bekannte Vergaben |
| Auftrag | tatsächlich gewonnen | realisierter Umsatz |
| Ausbau | zusätzliches Potenzial | Cross-Selling / Erweiterung |
Marktpotenzial soweit möglich aus konkreten Kunden- und Leistungsgrößen ableiten
Top-down-Marktstudien liefern Orientierung, sollten aber durch eine Bottom-up-Betrachtung ergänzt werden. Dazu können Zahl relevanter Unternehmen, Standorte, betreute Flächen, typische Vertragsgrößen und Vergabezyklen verwendet werden. Besonders in spezialisierten FM-Märkten ermöglicht diese Methode realistischere Aussagen. Statt einen prozentualen Anteil eines Milliardenmarktes zu behaupten, wird nachvollziehbar, wie viele relevante Zielkunden existieren, welchen durchschnittlichen Jahreswert ein Auftrag besitzt und wie viele Verträge unter realistischen Vertriebsbedingungen erreichbar erscheinen.
Wettbewerb, Ressourcen und Marktzugang in den realistischen Marktanteil einbeziehen
Selbst ein fachlich passender Markt ist nicht vollständig erreichbar. Bestehende langfristige Verträge, starke Wettbewerber, regionale Personalengpässe und hohe Referenzanforderungen können den Zugang begrenzen. Deshalb wird das SOM nicht lediglich aus einem Wunschmarktanteil abgeleitet. Vertriebsreichweite, Ausschreibungshäufigkeit, Referenzen, verfügbare Kapazitäten und erwartete Win Rate fließen in die Bewertung ein. Dies verhindert, dass Business Cases mit theoretischen Marktvolumina begründet werden, die operativ kaum erreichbar sind.
Marktgrößen mit realen Vertriebs- und Betriebserfahrungen zunehmend präzisieren
Mit wachsender Marktaktivität verbessern sich die verfügbaren Daten. Tatsächliche Angebotsgrößen, Abschlussquoten, Kundennachfrage und Vertriebszyklen können die ursprünglichen Annahmen ersetzen. Marktpotenzial wird damit zu einer rollierenden Steuerungsgröße. Abweichungen zwischen theoretischem Markt, Pipeline und realisiertem Geschäft zeigen, ob Marktdefinition, Positionierung oder Lieferfähigkeit angepasst werden müssen. So entwickelt sich aus einer anfänglichen Marktabschätzung ein belastbares Instrument für Investitions-, Vertriebs- und Kapazitätsentscheidungen.